Der Refit von „Maia“

Ich habe „Maia“ im August 2020 in einem bemitleidenswerten Zustand erworben. Sie hatte einen Wassereinbruch durch ein Leck im Bugstrahlruder erlitten und die notwendigen Reparaturarbeiten wurden wegen eines Streits zwischen Versicherungen und Werft über Monate verschleppt.

Eigentlich wäre dies ein vermeidbarer Schaden gewesen, wenn nicht im Zuge von laufenden Servicearbeiten die wasserdichten Schotts geöffnet gewesen wären! So konnte das eindringende Wasser mehrere Abschnitte des Bootes fluten und bevor es jemand bemerkte, war der Maschinenraum voll Wasser gelaufen.

Die Rettungsmaßnahmen waren insofern erfolgreich, als das Wasser schnell aus dem Innenraum entfernt wurde und durch den Einsatz von Trocknungsanlagen, konnten bleibende Schäden an der Inneneinrichtung weitestgehend verhindert werden.

Leider wurden andere wichtige Arbeiten verschleppt und so war zum Zeitpunkt des Kaufs nicht klar, in welchem Umfang die Hauptmaschine, die Generatoren und die elektrische Anlage beschädigt ist. Außerdem fristete Maia ihr Dasein an einer Mole, wo sie dem Schwell von vorbeifahrenden Großschiffen ausgesetzt war und hatte auch Lackschäden an der Außenhülle erlitten.

„Maia“ frisch an Land mit vielen Muscheln

Kurz gesagt: Ich habe die Yacht als Totalschaden erworben und sofort ins „Trockendock“ verlegt, bin nach Kiel umgezogen und arbeite seither ununterbrochen an ihrer Instandsetzung.

Die ersten 6 Monate habe ich die Yacht noch weiter zerlegt um erst einmal einen kompletten Überblick zu gewinnen. Es stellte sich heraus, dass die Hauptmaschine noch funktioniert, aber viele wichtige Anbauteile runderneuert werden müssen (z.B. Getriebe und Kupplung) während andere Motorteile spurlos verschwunden waren und neu beschafft werden mussten, wie z.B. der Turbolader mit allen Anbauteilen.

Der 12kW Generator neben der Hauptmaschine war ein Totalschaden. Es war sogar noch Salzwasser in der Ölwanne… Doch dieser Verlust war für mich zu verkraften, da für meine Zwecke sowieso völlig überdimensioniert. Allerdings war allein das Entfernen des Generators schon eine Herausforderung. Das Ding wiegt leicht 2 Tonnen!

Motorraum entkernt

Ich Stand vor der Wahl entweder das Dach des Salons aufzuflexen, um zunächst die Hauptmaschine und dann den Generator per Kran zu entfernen. Oder den Generator in „handliche“ Stücke von wenigen hundert Kilo Gewicht zu zerlegen, um diese erst durch einen schmalen Spalt zwischen Hauptmaschine und Kabinenboden und anschließend durch den Niedergang zu bugsieren. Ich habe mich für zweiteren Weg entschieden und in der Folge sehr viel Zeit mit Schrauben, Hämmern, Sägen und vor allem Fluchen verbracht. Mit Hilfe der Werft gelang es schließlich den Generator in Einzelteilen zu entfernen.

Des Weiteren musste die gesamte Isolierung des Maschinenraums raus, die sich mit Wasser und Öl vollgesogen hatte. Dazu habe ich über Wochen sehr stabile und aufwändig verlegte Stahllochbleche entfernen müssen mit denen der gesamte Maschinenraum ausgekleidet war. Es ist kein kleiner Maschinenraum! Und natürlich waren weit mehr als die Hälfte der Schrauben verrostet oder unzugänglich bzw. Beides. Auch dieses Projekt zog sich viel länger als erwartet.

Als Nächstes stellte sich heraus, dass die Trennbleche in der Zentralbilge unterhalb der Welle völlig durchgerostet waren. Die Außenhülle von Maia besteht zwar aus nicht rostendem Kupfer-Nickel-Stahl, die inneren Verstrebungen aber sind aus normalem Stahl und wie ich später erfahren habe, waren in diesem Teil des Bootes mal Fäkalien ausgelaufen und das ist Gift für normalen Stahl.

Zentralbilge neu beschichtet – Welle ausgebaut

Die kaputten Bleche sind zwar nicht unbedingt Teil der tragenden Konstruktion, aber trotzdem wollte ich an dieser Stelle nicht sparen. Auch Ein Job für die Werft, denn Stahl auf CuNiFe zu schweißen ist eine Kunst für sich.

So verflogen die Monate. Eigentlich wollte ich im Sommer 2021 schon langsam fertig werden, aber im Frühjahr war ich noch immer mit den ganzen groben Jobs beschäftigt und meine Zeit an Land neigte sich dem Ende zu, denn leider benötigte die Werft den Standplatz.

So war der Frühsommer und Sommer ganz im Zeichen der bevorstehenden Wasserung. Alle Jobs die nur an Land erledigt werden können, waren nun auf der ToDo-Liste ganz nach oben gerutscht.

Die Unterwasserfarbe war über die Jahre brüchig geworden. Sie hätte zwar sicher noch ein paar Jährchen ausgehalten, zumal die Außenhülle ja wenig anfällig ist – doch nun war das Boot schon mal an Land und die Chance zu verlockend den Job richtig zu erledigen.

Eine Seite fast ohne Farbe…

Die alte Farbe musste also weg und ich stand wieder vor einer Wahl: Sandstrahlen oder manuell entfernen? Ich habe mich fürs manuelle Entfernen entschieden… nicht zuletzt aus Kostengründen, aber auch weil die Schiffshülle keinerlei Korrosion aufwies und somit nicht gestrahlt werden musste.

Der teure Maxprop braucht dringend Liebe!

Diese Entscheidung habe ich an vielen Tagen mit schmerzenden Armen bereut. Man sollte nicht glauben, dass das Abkratzen und Abschleifen der Farbe mehr als acht Wochen gedauert hat – und das obwohl ich zu dieser Zeit fast immer Hilfe hatte. Aber es handelte sich um 7 Schichten Farbe auf 150 Quadratmeter Fläche, die zu großen Teilen überhängt – also über Kopf arbeiten. Kein Spaß!

Besser so!!!

Dazu kam noch die Lackierung über der Wasserlinie, die Instandsetzung der Teak-Fußreling, die Wartung aller Seeventile, der Stopfbuchsen und der Ruderanlage. Die Pflege des Propellers und des Bugstrahlruders und den Einbau eines neuen Logge-Lotgebers… Ein Wunder, dass wir nur ein paar Wochen später fertig waren, als die Werft das gerne gehabt hätte. So musste der nächste Auftrag leider etwas warten…

Fast wie neu

Seit August ist Maia wieder im Wasser und eigentlich sollten die Masten im September gestellt werden. Die stehen aber bis heute – Ende Dezember – immer noch nicht. Erst fehlten uns Ersatzteile und als die Teile dann endlich neu hergestellt waren, hatte die Kransaison der Werft begonnen, in denen alle Boote im Hafen aus dem Wasser ins Winterlager geschafft werden. Der Kran hatte also Hochsaison und keine Zeit für meinen Mast.

Sie schwimmt!!!

Und nun… ist der Kran kaputt! Ersatzteil kommt eventuell erst im Februar.

Die Zeit ist natürlich nicht ungenutzt verstrichen! Nun sind die restlichen Bilgen und der Ankerkasten ebenfalls entrostet und neu beschichtet! Damit ist der Reparaturstau aufgeholt und die schmutzigen Großprojekte alle erledigt. Hurra!!!

Die Motorelektronik, die Motorsteuerung und die Ruderhydraulik sind gewartet, repariert, gepflegt und wieder voll einsatzfähig.

Ein Großteil der kaputten Haus- und Navigationselektrik ist bestellt oder lagert schon bei mir zuhause, bereit für den Einbau! Auch die hydraulische Anlage ist wie neu, liegt in der Werft bereit und wartet auf den Kran…

Es geht nun zügig voran und ich bin guter Dinge, dass ich im Frühling alle Systeme an Bord wieder zum Leben erweckt habe.

Dann fehlt nur noch der Ausbau der Kombüse und des Salons und ein paar Lack und Holzarbeiten an Deck. Im Sommer will ich mit Maia fahren – es wird echt Zeit!